Für Serge Gnabry ist Arsenal kein Gegner wie jeder andere. Vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch, dem 21. Oktober, sitzt er wieder auf dem Podium und spricht über ein Duell mit seinem früheren Verein. Gleichzeitig bleibt seine Aufgabe auf dem Platz offen. Bayern empfängt die Londoner um 21 Uhr in der Allianz Arena, muss aber ohne den gesperrten Michael Olise und ohne Jamal Musiala auskommen. Aus einer persönlichen Wiederbegegnung könnte deshalb ein Abend werden, an dem Gnabrys Vielseitigkeit besonders gefragt ist.
Die Chance ist da, die Aufstellung noch nicht
Gnabry ist nach einer längeren Verletzungspause zurück. Das allein verändert die Möglichkeiten im Angriff, doch aus seiner Anwesenheit bei der Pressekonferenz lässt sich kein Startplatz ableiten. Er kann zentral spielen oder von außen kommen. Genau diese Offenheit macht die Situation interessant: Bayern sucht Lösungen für fehlende Kreativität, während ein erfahrener Angreifer wieder darum kämpft, dem eigenen Spiel seinen Rhythmus zu geben. Vor einem solchen Gegner möchte man nicht nur dabei sein, sondern sichtbar Einfluss nehmen.
Ein Einsatz auf dem Flügel verlangt andere Entscheidungen als eine Rolle zwischen den Linien. Außen kann Gnabry Breite anbieten, den direkten Weg nach innen suchen oder einen Lauf in den Rücken der Abwehr starten. Im Zentrum wäre stärker gefragt, wie er sich vor den Mittelfeldspielern des Gegners löst und mit wenigen Kontakten weiterleitet. Welche dieser Aufgaben er tatsächlich erhält, ist vor der Partie nicht bestätigt. Die Möglichkeiten beschreiben die Spannung vor dem Spiel, keine bereits feststehende taktische Lösung.
Olises Lücke lässt sich nicht einfach benennen
Mit Olise fehlt ein Spieler, der seit Beginn der vergangenen Champions-League-Saison 44 Abschlüsse vorbereitet hat. Diese Zahl erklärt, warum seine Sperre mehr bedeutet als einen freien Namen auf dem Mannschaftsbogen. Bayern verliert für diesen Abend einen verlässlichen Weg zum letzten Pass. Die Antwort darauf kann nicht allein darin bestehen, einem anderen Spieler sämtliche Aufgaben zu übertragen. Auch die Abstände zu Kane, die Bewegungen auf der anderen Seite und die Unterstützung aus dem Mittelfeld werden wichtig.
Für Fans, die Olise durch die Saison begleiten, bleibt das Heimtrikot mit seiner Nummer 17 natürlich eine persönliche Wahl. Auf dem Rasen muss Bayern diesmal andere Verbindungen finden. Gnabrys Erfahrung kann dabei helfen, weil er verschiedene Angriffspositionen kennt. Entscheidend wird aber nicht die Erinnerung an frühere Leistungen sein. Es geht um die Geschwindigkeit seiner Entscheidungen in dieser konkreten Partie: wann er entgegenkommt, wann er den Raum freimacht und wann er selbst den Abschluss sucht.
Arsenal bringt eine unangenehme Sicherheit mit
Die Gäste haben ihre ersten beiden Spiele der Ligaphase gewonnen und noch kein Gegentor kassiert. Auf das 1:0 in Neapel folgte ein 3:0 gegen Lille. Für Bayern bedeutet das eine Prüfung gegen eine Mannschaft, die schon erlebt hat, wie sich ein knapper Vorsprung ebenso wie ein deutlicher Sieg kontrollieren lässt. Der erste misslungene Angriff darf daher nicht sofort Unruhe auslösen. Wer gegen einen solchen Gegner hektisch wird, erleichtert ihm möglicherweise genau die Arbeit, die eigentlich schwer gemacht werden sollte.
Das letzte direkte Duell endete in London mit einer 1:3-Niederlage für Bayern. Diese Erinnerung verleiht Gnabrys Wiedersehen zusätzliche Schärfe. Es geht nicht um eine nostalgische Rückkehr zum früheren Klub, sondern um eine anspruchsvolle Aufgabe vor dem eigenen Publikum. Arsenal wird Räume nicht aus Höflichkeit öffnen. Bayern muss sie durch Bewegung, saubere Pässe und passende Anschlussaktionen schaffen. Für einen Spieler, der gerade wieder in den Wettkampfrhythmus findet, ist das ein großer, aber auch reizvoller Maßstab.
Eine besondere Begegnung in ungewöhnlicher Vorbereitung
Auch auf der Trainerseite läuft nicht alles wie gewohnt. Vincent Kompany fehlt am Dienstag wegen eines Virusinfekts, Aaron Danks übernimmt Training und Pressekonferenz. Ob der Cheftrainer am Mittwoch an der Seitenlinie steht, ist noch offen. Die Mannschaft muss ihre Konzentration unabhängig davon halten. Gerade für mögliche Rückkehrer und Spieler mit neuen Aufgaben ist wichtig, dass die Vorbereitung klare Orientierung gibt, ohne den Mut zum eigenen Entschluss zu nehmen.
Harry Kane hat in neun Champions-League-Einsätzen hintereinander getroffen. Diese Konstanz bietet einen Fixpunkt, ersetzt aber nicht die Arbeit der Spieler um ihn herum. Gnabry könnte zu denjenigen gehören, die zwischen Ballbesitz und echter Gefahr eine Verbindung herstellen. Wer die Partie in Bayern-Farben verfolgt, kann dafür auch das langärmlige Heimtrikot wählen. Die spannendste Frage bleibt bis zur Aufstellung offen: Wo erhält Gnabry seinen Raum, und kann er ausgerechnet gegen Arsenal zeigen, wie viel er Bayern nach seiner Pause wieder geben kann?